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AG Sport - Psyche - Metabolismus
Die Arbeitsgruppe "Sport–Psyche–Metabolismus" an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln erforscht die Wechselwirkungen zwischen körperlicher Aktivität, psychischer Gesundheit und metabolischen Prozessen mit einem zentralen Fokus auf Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie.
Im Mittelpunkt stehen sportbasierte Interventionen zur Behandlung psychischer Erkrankungen, die Untersuchung der neurobiologischen Wirkmechanismen körperlicher Aktivität sowie die Analyse metabolischer, inflammatorischer und neurotropher Veränderungen. Ziel ist es, bewegungsbasierte Therapieansätze evidenzbasiert weiterzuentwickeln und innovative, integrative Behandlungsstrategien für Menschen mit psychischen Erkrankungen abzuleiten.
Ergänzend ist die Arbeitsgruppe mit der sportpsychiatrischen Ambulanz der Klinik assoziiert, in der Amateur- und Profisportlerinnen und -sportler mit psychischen Erkrankungen behandelt werden. Die enge Verzahnung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung und Versorgung ermöglicht eine direkte Translation wissenschaftlicher Erkenntnisse in die therapeutische Praxis.
PsyLetics
Projekleitung: Priv.-Doz. Dr. Theresa Lichtenstein
Hintergrund:
PsyLetics ist eine randomisierte kontrollierte Studie, die untersucht, wie High-Intensity-Training (HIT) im Vergleich zu einer niedrigintensiven aktiven Kontrollbedingung (Vibrationsplattentraining) klinische Symptome und biologische Marker bei Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie beeinflusst. Das speziell für die Studie in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelte HIT-Programm kombiniert Kraft- und Ausdauerbelastungen und wird über acht Wochen in drei betreuten 30-minütigen Gruppensitzungen pro Woche durchgeführt. Erfasst werden Veränderungen klinischer Symptomatik, kognitiver Leistung, Hirnstruktur sowie verschiedener inflammatorischer, neurotropher und metabolischer Blutmarker (einschließlich Kynurenin-Metaboliten), ergänzt durch physiologische Gesundheitsparameter. Ziel ist es, die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen der Wirksamkeit von HIT bei Schizophrenie zu identifizieren und so neue bewegungsbasierte Therapieansätze zu fördern.
HealthFit – The effects of high-intensity interval training versus an active control group on depressive symptoms and their concurrent biomarkers in outpatients diagnosed with Major Depressive Disorder
Projektleitung: Dr. Florian Javelle, NeuroPsychoImmunologie Forschungsgruppe, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Deutsche Sporthochschule Köln
Hintergrund:
HealthFit ist eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie, die untersucht, ob High-Intensity-Intervalltraining (HIT) bzw. Stretching depressive Symptome sowie inflammationsvermittelte Veränderungen im Kynurenin-Stoffwechsel bei ambulanten Patientinnen und Patienten mit Major Depression modulieren kann. Ausgangspunkt ist die Evidenz, dass chronische Inflammation eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie depressiver Störungen spielt und zu Dysregulationen im Kynurenin-Pfad führt, darunter veränderte Spiegel von Kynurenin, Kynurensäure und Quinolininsäure. Über zehn Wochen absolvieren die Teilnehmenden drei betreute Trainingseinheiten pro Woche. Die Effekte werden zu vier Messzeitpunkten an der Deutschen Sporthochschule Köln erfasst und umfassen leistungsphysiologische Diagnostik, psychometrische Erhebungen sowie umfangreiche Blutanalysen der relevanten Metabolite. Ein sekundärer Fokus der Studie liegt auf genetischen und epigenetischen Markern: Analysiert werden periphere Methylierungsmuster und polymorphe Regionen zentraler Gene des Tryptophan-/Kynurenin-Stoffwechsels vor und nach der Intervention. Diese explorativen Analysen sollen aufklären, inwiefern körperliche Aktivität potenzielle molekulare Mechanismen beeinflusst, die mit depressiven Störungen assoziiert sind.
IPD-Meta-Analyse: „The Impact of Physical Activity on Mental and Physical Health in Schizophrenia“
Projektleitung: Priv.-Doz. Dr. Theresa Lichtenstein
Hintergrund:
Dieses Projekt ist die erste Individual-Participant-Data-(IPD)-Meta-Analyse (PROSPERO: CRD42025630767), die systematisch untersucht, wie körperliche Aktivität die psychische und körperliche Gesundheit von Menschen mit Schizophrenie beeinflusst. Auf Basis von individuellen Originaldaten internationaler Studien werden ausführliche klinische und demografische Variablen, metabolische und inflammatorische Marker, körperliche Fitness sowie Merkmale der Trainingsinterventionen integriert. Ziel ist es, Wirkmechanismen und Moderatoren bewegungsbasierter Interventionen bei an Schizophrenie erkrankten Personen besser zu verstehen und damit die Grundlage für individualisierte therapeutische Ansätze zu stärken.
BTX – Metabolische, neuronale und immunologische Regulation des Körpergewichts – erhöhtes Psychoserisiko
Projektleitung: Dr. Ruth Hanssen, Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin und Prof. Dr. Marc Tittgemeyer, Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung
Hintergrund:
Im Rahmen der Studie „BTX – Metabolische, neuronale und immunologische Regulation des Körpergewichts nach Adipositastherapie“ des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung und der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin untersuchen wir unter der Leitung von Dr. Ruth Hanssen und Prof. Dr. Marc Tittgemeyer diese Mechanismen auch bei Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko. Dabei analysieren wir, wie metabolische, neuronale und immunologische Prozesse zur Gewichtszunahme beitragen und welche Faktoren frühe kardiometabolische Risiken vorhersagen können. Die Teilnehmenden (ab 18 Jahren) werden im Abstand von sechs Monaten umfassend untersucht. Das Untersuchungsprogramm umfasst körperliche Gesundheitsparameter, Blutanalysen, Messungen der Hautbarrierefunktion, Herzratenvariabilität und Impedanz, indirekte Kalorimetrie, computerbasierte Verhaltenstests sowie standardisierte Fragebögen. Optional werden zusätzliche MRT-Aufnahmen sowie Urin- und Stuhlproben erhoben. Ziel dieser Analyse ist es, die biologischen Mechanismen der Gewichtsentwicklung im Kontext eines erhöhten Psychoserisikos zu verstehen und Ansatzpunkte für frühzeitige Präventionsstrategien zu identifizieren.
Psychotherapie im Kontext metabolischer Modulation: GLP-1-Analoga und Belohnungslernen bei Schizophrenie
Projektleitung: Prof. Dr. Marc Tittgemeyer, Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung und Priv.-Doz. Dr. Theresa Lichtenstein
Hintergrund:
Dieses Projekt soll das bestehende Forschungsprojekt „Physiological effect of GLP-1 receptor activation on reward and effort learning in obesity“ unter der Leitung von Prof. Marc Tittgemeyer am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung um ein exploratives Subprojekt ergänzen, das die physiologischen und verhaltensbezogenen Effekte einer GLP-1-Rezeptoraktivierung bei Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie untersucht. Aufbauend auf den Ergebnissen der Ursprungsstudie, die bei adipösen Personen deutliche Beeinträchtigungen in der Bedürfnisregulation und Aufwandsbereitschaft zeigte, soll geprüft werden, ob GLP-1-Analoga vergleichbare normalisierende Effekte auch in dieser klinischen Population entfalten können, bei der motivational-kognitive Defizite, insbesondere Amotivation und reduzierte Anstrengungsbereitschaft, krankheitsbedingt ausgeprägt sind.
Die Erweiterung richtet sich an Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie, die aufgrund eines Typ-2-Diabetes oder einer Adipositas eine klinische Indikation für die Behandlung mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid/Ozempic®) erfüllen. Ergänzend zur pharmakologischen Behandlung wird eine manualisierte kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt, um mögliche synergistische Effekte auf das Belohnungslernen und die Anstrengungsbereitschaft zu erfassen. Die Patientinnen und Patienten absolvieren zusätzlich die verhaltensbezogenen Aufgaben aus der Ursprungsstudie. Ziel der Erweiterung ist es, zu untersuchen, ob die pharmakologische Modulation des GLP-1-Systems – vor dem Hintergrund seiner Bedeutung für synaptische Plastizität, cAMP/PKA-Signalwege und dopaminerge Belohnungsprozesse – motivationale Defizite bei Schizophrenie positiv beeinflussen und damit die Wirksamkeit psychotherapeutischer Interventionen unterstützen kann.
MoodRides
Projektleitung: Matthias Rißmayer, M.Sc.
Hintergrund:
MoodRides untersucht bei Patientinnen und Patienten mit Depression die affektiven, motivationalen und (neuro)biologischen Wirkmechanismen selbstgewählter Trainingsintensität im Vergleich zu hochintensivem Intervalltraining (HIT), um jene Belastungsform zu bestimmen, die sowohl eine günstige akute Affektlage und hohe Therapietreue unterstützt als auch ausreichende physiologische Stimuli zur Verbesserung depressiver Symptome bereitstellt. Dabei prüft die Studie, ob selbstgesteuertes Training – trotz geringerer physiologischer Spitzenbelastungen – vergleichbare immunologische Reaktionen sowie eine ähnliche neuroprotektive Modulation des Kynurenin-Stoffwechsels induzieren kann wie HIT und inwiefern individuelle Präferenzen das subjektive Erleben beider Interventionen beeinflussen.
Kooperationspartner
Uniklinik Köln
- Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (Prof. Dr. Dr. Nils Große-Hokamp)
- Klinik III für Innere Medizin (Priv.-Doz. Dr. Christopher Hohmann)
- Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (Dr. Ruth Hanssen)
- Spezialsprechstunde Concussion, Klinik- und Poliklinik für Neurologie (Prof. Dr. Dr. Maria Adele Rüger, Dr. Stefan Blaschke)
- Onkologische Bewegungsmedizin, Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) (Dr. Nora Zoth)
Externe Kooperationspartner
- Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung (Prof. Dr. Marc Tittgemeyer)
- Universität zu Lübeck / Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) — Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) (Prof. Dr. Rebecca Lencer)
- Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie, Medizinische Universität Wien (Dr. med. univ. Dr. scient. med. Daniel König-Castillo)
- Deutsche Sporthochschule Köln
- Deutsche Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie (DGSPP)
