Spezialambulanz Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) wurde als neurobiologisches Stimulationsverfahren zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen bereits in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter dem Begriff der „Heilkrampftherapie“ entwickelt. Seit dieser Zeit konnte sich das Verfahren durch wesentliche technische Neuerungen, wie z. B. die Einführung der Kurzpulstechnik, sowie den Einsatz moderner Anästhesieverfahren und kardiopulmonaler Überwachungsstandards zu einem sicheren, nebenwirkungsarmen und leitlinienbasierten Therapieverfahren weiterentwickeln. Hauptindikation für die EKT sind therapierefraktäre Verläufe depressiver, schizophrener sowie manischer Episoden, einschließlich der bipolaren Depression und die Katatonie (Grözinger et al., Elektrokonvulsionstherapie kompakt – Für Zuweiser und Anwender, Springer Verlag, 2013). Aufgrund hoher Ansprechraten von bis zu 90 % bei der wahnhaften Depression (Petrides et al., 2001) sowie beträchtlichen Remissionsraten von 40-60% bei bisher therapierefraktären Verläufen depressiver Episoden gilt die EKT als das „wirksamste antidepressive Behandlungsverfahren“ (UK ECT Review Group, 2003). In der aktualisierten NVL/S3-Leitlinie Unipolare Depression (DGPPN, 2. Auflage, 2015) wird entsprechend als Hauptanwendungsgebiet der EKT mit der höchsten Empfehlungsstärke die therapierefraktäre Depression genannt. Aufgrund des raschen Wirkeintritts und der hohen Ansprechrate wird in gleicher Empfehlungsstärke erstmals auch der frühzeitige Einsatz der EKT in der Behandlung schwerer, vital bedrohlicher Depressionen, d. h. solche mit ausgeprägter Suizidalität oder wahnhaft bedingter Nahrungsverweigerung aufgeführt.

Ablauf der EKT-Behandlung

Der Ablauf der EKT-Behandlung sieht in der Regel 10-12 EKT-Sitzungen innerhalb von 4-6 Wochen vor. Diese sind auf 2-3 Sitzungen pro Woche verteilt und werden im ambulanten OP-Bereich im Hauptgebäude der Uniklinik (EGZ) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an den Tagen Montag, Mittwoch und Freitag durchgeführt. Die Stimulation findet unter Vollnarkose statt, die Narkosedauer beträgt ca. 15 Minuten, die anschließende Überwachung im Aufwachraum 60-80 Minuten. Im Anschluss wird der/die Patient-/in zur Klinik zurückbegleitet und kann das Mittagessen einnehmen. Im Vorfeld ist aufgrund der Maskenbeatmung eine strenge Nahrungskarenz (inklusive Nikotin) für mindestens 6 Stunden einzuhalten.
Typische Nebenwirkungen können neben geringer Übelkeit und Kopfschmerzen in erster Linie rasch vorübergehende Merkfähigkeitsstörungen sein. Ist unter der Behandlung lediglich eine Teilremission erreicht worden, ist eine Verlängerung der Behandlung auf z.B. 16-20 Sitzungen zu erwägen. Ergibt sich nach den ersten 6 Sitzungen keinerlei Veränderung des Krankheitsbildes, wird unter kritischer Risiko-/Nutzen-Abwägung die Fortführung der Behandlung evaluiert oder eine Änderung des Stimulations-Modus erwogen. In einigen Fällen kann nach Ende der EKT-Serie der Übergang in einer Erhaltungs-EKT mit ansteigenden Intervallen von wöchentlichen bis monatlichen Sitzungen empfehlenswert sein. Ab einem 14-tägigen Rhythmus erfolgt in der Regel eine Aufnahme zur Erhaltungs-EKT von ambulant für jeweils eine Nacht in die Klinik.  Sollte eine Nachbetreuung gewünscht werden, bieten wir gerne Termine in unserer Spezialsprechstunde an.

Indikationen für die EKT

Depression

„Klassische“ Indikationsstellung bei therapierefraktären Verläufen depressiver Episoden in mittel- bis schwergradiger Ausprägung mit bedeutsamen Einbußen des psychosozialen Funktionsniveaus.
„Vital bedrohliche“ Verläufe akut depressiver Episoden, d.h. solche mit akuter Suizidalität, bereits stattgehabten Suizidversuchen, Nahrungs- oder Flüssigkeitsverweigerung bei wahnhafter Ausprägung der depressiven Symptomatik.

Psychose

Akute schizophrene Psychosen bei Therapieresistenz mit schwerem Krankheitsverlauf und/oder Gefährdungsaspekten, in der Regel, wenn eine Einstellung auf Clozapin bereits ohne ausreichenden Effekt erfolgte („Ultraresistenz“). „Vital bedrohliche“ Verläufe akut schizophrener Psychosen, d.h. solche mit akuter Eigen- oder Fremdgefährdung, bereits stattgehabten Suizidversuchen oder Gefährdung Dritter, oder auch psychotisch motivierter Nahrungs- oder Flüssigkeitsverweigerung.

Katatonie

Alle Formen psychomotorisch gehemmter, katatoner Krankheitsverläufe aus dem affektiven oder schizophrenen Spektrum nach Ausschluss akuter somatischer Ursachen, insbesondere bei drohender oder bereits eingesetzter Immobilität und Verlust der Fähigkeit zur selbstständigen Nahrungsaufnahme.
Notfall-EKT Indikation bei perniziösen, d.h. vegetativ bedrohlich entgleisten katatonen Verläufen, bzw. dem Malignen Neuroleptischen Syndrom (MNS), je nach Krankheitssituation mit initial täglichen EKT-Sitzungen, gegebenenfalls unter intensivmedizinischer Überwachung.

Indikationen für alternative Behandlungsmaßnahmen

Repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS)

Indikationen für die repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) sind akute depressive Episoden, insbesondere wenn noch keine höhergradige Therapieresistenz vorliegt, und (a) eine stationäre Aufnahme zur Optimierung der antidepressiven Pharmakotherapie notwendig ist und über einen Zeitraum von 4-6 Wochen geplant ist, und/oder (b) eine rasche Besserung der Symptomatik notwendig erscheint bzw. vom Patienten gewünscht wird, z.B. bei drohendem Arbeitsplatzverlust, Versorgung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen im häuslichen Umfeld.

Ketamin-Infusionen

Indikationen für die Ketamin-Infusionstherapie sind die Therapieresistenz einer akuten depressiven Episode, wenn EKT oder rTMS nicht gewünscht sind oder aus anderen Gründen nicht in Frage kommen, oder bei akuter Suizidalität oder bereits stattgehabten Suizidversuchen, wenn in der pharmakotherapeutischen Latenz bis zum Einsetzen der antidepressiven Wirkung auch unter abschirmender, stationärer Behandlung mit z.B. Benzodiazepinen die suizidale Ausprägung als vital bedrohlich einzuschätzen bleibt. 

Vagus-Nerv-Stimulation (VNS)

Die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist ein minimal-invasives Verfahren, das zur Behandlung der Epilepsie seit Mitte der 90er Jahre in den USA zugelassen ist und bei über 30.000 Patienten bereits mit gutem Effekt und geringen Nebenwirkungen eingesetzt wurde. Aufgrund der positiven Begleiteffekte auf depressive Symptome erfolgte nach entsprechenden Untersuchungen die Zulassung als Stimulationsverfahren zur Behandlung der therapieresistenten Depression im Jahr 2003.

Bei der VNS wird der linke Nervus vagus im Halsbereich nach operativer Anbringung einer kleinen Elektrode sowie eines programmierbaren Impulsgebers im linken Brustbereich („Schrittmacher“) durch ein niederfrequentes, intermittierend gepulstes elektrisches Signal stimuliert. Aufgrund der milden Stimulation und der indirekt vermittelten Wirkung über den Nervus vagus auf Kerngebiete im Hirnstamm sowie auf das Depressionsnetzwerk entfaltet sich die antidepressive Wirkung erst mit einigen Monaten Verzögerung. Demgegenüber zeigt sich bei der VNS eine große Nachhaltigkeit des Wirkeffektes bezogen auf eine Reduktion der Häufigkeit sowie einer geringeren Ausprägung depressiver Symptome über die Dauer von zwei Jahren hinweg.  
Das Verfahren eignet sich besonders für Patienten, bei denen eine Erhaltungs-EKT zwar wirksam ist, bei denen aber ein alternatives neurobiologisches Stimulationsverfahren langfristig gewünscht bzw. unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufes als notwendig angesehen wird.

Diese Behandlung wird in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie angeboten, in der die Operation durchgeführt wird. Die Krankenkassen übernehmen für dieses Therapieverfahren die Kosten.

Weitere Informationen zum Thema EKT

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) bietet für Patienten und Angehörige eine umfängliche Informationsbroschüre mit dem Titel „Elektrokonvulsionstherapie (EKT) in 24 Fragen“ kostenfrei an (DGPPN Geschäftsstelle, Reinhardstr. 27 B, 10117 Berlin-Mitte, www.dgppn.de)

Die Broschüre kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Für fachärztliche Zuweiser kann auf die aus dem DGPPN-Referat „Klinisch angewandte Stimulationsverfahren in der Psychiatrie“ stammende, oben bereits erwähnte Publikation „Elektrokonvulsionstherapie kompakt – Für Zuweiser und Anwender“ (Springer Verlag, 2013) hingewiesen werden.

Stellungnahmen, Positionspapiere, weitere Hintergrundinformationen sowie die Informationsbroschüre („Elektrokonvulsionstherapie (EKT) in 24 Fragen“) können auf der Webseite des DGPPN-Referats eingesehen bzw. heruntergeladen werden.

Weitere Literaturhinweise und eigene Publikationen:

  1. Petrides G, Fink M, Husain MM et al., Remission rates in psychotic versus nonpsychotic depressed patients: a report from CORE. J ECT. 2001 Dec; 17(4):244-53.
  2. UK ECT Review Group; Efficacy and safety of electroconvulsive therapy in depressive disorders: a systematic review and meta-analysis. Lancet. 2003 Mar 8;361(9360):799-808
  3. Bschor, T., Bauer M., Adli M., Chronische und therapieresistente Depression - Diagnostik und Stufentherapie, Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76.
  4. Zilles D., Wolff-Menzler C, Wiltfang J, Elektrokonvulsionstherapie zur Behandlung unipolarer depressiver Störungen, Der Nervenarzt, 2015; 86(5), 549-556
  5. Lehnhardt FG, Konkol C, Kuhn J, Anwendung der EKT bei pharmakoresistenter Schizophrenie - eine aktuelle Übersicht, Fortschritte Neurologie &Psychiatrie 80(9): 501-511
  6. Lehnhardt FG, EKT bei therapieresistenter Schizophrenie; in „Therapeutische Stimulationsverfahren für psychiatrische Erkrankungen - Ein Praxisbuch“; Jens Kuhn/Wolfgang Gaebel (Hrsg.)
  7. Lehnhardt FG, Dohle I, Sartorius A, Grözinger M, Kostenstrukturanalyse der Elektrokonvulsionstherapie in einem leistungsorientierten Krankenhausbudget, Fortschritte Neurologie & Psychiatrie (zur Publikation angenommen, 08/2017)

Terminabsprache

Telefon +49 221 478-87291

Bitte bringen Sie zu Ihrem Erstgespräch folgende Unterlagen mit:

  • Überweisung Ihres behandelnden Arztes
  • Aktueller, fachärztlicher Behandlungsbericht, aus der die Diagnose, ein kurzer Überblick über die aktuellen und früheren Krankheitsepisoden, die aktuelle und bisherige medikamentöse Therapie (nach Möglichkeit mit Dosishöhe und Dauer) sowie mögliche frühere EKT-Behandlungen hervorgehen. Zusätzlich sollten internistische und/oder neurologische Vorerkrankungen zur Einschätzung des Narkoserisikos Erwähnung finden.
  • Aktuelle Vorbefunde (cerebrales CCT oder cMRT, nicht älter als drei Monate, Röntgen-Thorax, nicht älter als drei Monate, aktuelle Laborwerte inklusive BB, E´lyte, Leber-/Nierenwerte, TSH sowie ein aktuelles EKG)

Ärztlicher Ansprechpartner

Priv.-Doz. Dr. Fritz-Georg Lehnhardt
E-Mail fritz-georg.lehnhardt@uk-koeln.de

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