Zwangserkrankungen

Zwangsstörungen treten in Form von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen auf. Häufige Gedanken sind Ängste vor Kontamination mit Keimen oder Viren, Angst davor, eine Gewalttat zu begehen oder etwas moralisch Verwerfliches zu tun. Die Inhalte widersprechen häufig dem Wertesystem der Betroffenen und sorgen für starke Verunsicherung. Die Bemühungen, diese Gedanken zu kontrollieren, zu neutralisieren, scheitern in der Regel.

Zwangshandlungen oder -rituale sind äußere oder mentale Handlungen, die Betroffene immer wieder ausführen müssen in der Hoffnung, dass befürchtetes Leid abgewendet wird und Gefahren beseitigt werden könnten. Typische Zwangshandlungen sind Wasch-, Kontroll- oder Ordnungszwänge (Hammer, Pößel 2015). Hierbei ist den Betroffenen die Unsinnigkeit der Gedanken und Handlungen bewusst, anders als bei Zwangssymptomen im Zusammenhang mit psychotischem Erleben.

Patienten mit Zwangserkrankungen erfahren nicht selten eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität. Gleichwohl ist für Betroffene die Störung häufig mit großen Schamgefühlen besetzt, so dass die entsprechenden Versorgungsstrukturen erst sehr spät oder teilweise auch gar nicht aufgesucht werden. Deshalb vergehen im Durchschnitt zwischen dem ersten Auftreten der Symptome und der korrekten Diagnosestellung meist viele Jahre. Dabei stellen Zwangserkrankungen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen dar.

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