AG Neurobiologie und Neuromodulation psychischer Erkrankungen

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine empirisch basierte Therapieform, deren Entwicklung auf Erfahrungen aus intraoperativen Teststimulationen im Rahmen von hirnchirurgischen Eingriffen der 50er und 60er Jahre fußte. Die heutzutage implantierten Stimulationselektroden geben hochfrequent kurze elektrische Impulse ab und modulieren so neuronale Funktionskreise. Um postoperativ möglichst viele Modifikationen vornehmen zu können, beinhaltet die Elektrodenspitze 4 oder mehr Pole, die von außen individuell aktiviert werden können. Über Kabel werden die Elektroden mit dem meistens unter dem Schlüsselbein implantierten sogenannten Impulsgenerator verbunden.

Seit 1995 ist die THS zur Behandlung von Tremor und M. Parkinson in Deutschland zugelassen. Als experimenteller Ansatz wird die Wirksamkeit der THS für weitere neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Epilepsie und Kopfschmerz erforscht. Ende der 1990er Jahre wurden auch erstmalig Patienten mit psychischen Erkrankungen mittels THS im Einzelversuch behandelt. Seitdem wird die tiefe Hirnstimulation für psychiatrische Indikationen weltweit in einigen wenigen Zentren erprobt. Die zahlenmäßig größten Erfahrungen liegen für Zwangsstörungen, schwere Depressionen und das Tourette-Syndrom vor.

Die THS für die Zwangsstörung ist in Europa seit 2011 zugelassen und kann als Behandlungsmöglichkeit angeboten werden. Die Behandlung von Tourette Patienten mittels THS kann aktuell im Rahmen eines individuellen Heilversuchs bei vorliegender Kostenzusage durch die Krankenkasse erfolgen.

Dr. Daniel Huys

Dr. Daniel Huys

Leiter der AG Neurobiologie und Neuromodulation psychischer Erkrankungen

Prof. Dr. Jens Kuhn

Prof. Dr. Jens Kuhn

Leiter der Arbeitsgruppe
Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Johanniter Krankenhaus Oberhausen, Evangelisches Klinikum Niederrhein

Tourette-Syndrom

Das Tourette-Syndrom (TS) ist eine sich meist im Kindesalter manifestierende neuropsychiatrische Erkrankung, die durch das chronische Auftreten von motorischen und vokalen Tics gekennzeichnet ist. Wenngleich medikamentöse Ansätze und Psychotherapie die Tics lindern können, erfährt ein Großteil der schwerst Betroffenen nur ein unzufriedenstellendes Behandlungsergebnis und ist in der Lebensqualität massiv beeinträchtigt.Die hiesige Arbeitsgruppe hat in Kooperation mit der Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie die tiefe Hirnstimulation (THS) für Tourette-Patienten in Deutschland miteingeführt und beschäftigt sich seitdem schwerpunktmäßig mit der Wirksamkeitserforschung. Die 30 Tourette-Patienten, die an der Uniklinik Köln mittlerweile mittels THS behandelt werden, haben überwiegend eine deutliche Symptomlinderung durch die Maßnahme erfahren.

Neben eigenen Veröffentlichungen zur THS beim Tourette Syndrom beteiligen wir uns auch an der International Tourette Deep Brain Stimulation Database and Registry an der University of Florida unter der Leitung von Prof. Okun.

Die Behandlung von Tic-Störungen mit Cannabinoiden hat sich in zwei kleinen Studien wirksam bei der Behandlung des Tourette-Syndroms erwiesen. Im Rahmen der laufenden multizentrischen Studie CANNA-TICS in Kooperation mit Medizinischen Hochschule Hannover (Leitung: Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl) bieten wir an, Patienten und Patientinnen mit Tourette-Syndrom mit der Cannabidiol-Mischung Nabiximols zu behandeln.

Falls Sie 18 Jahre oder älter sind und bei Ihnen ein Tourette-Syndrom bzw. eine chronische Tic-Störung besteht und Sie Interesse an einer Studienteilnahme haben, senden Sie eine Mail an Myriam Vorderwuelbecke.

Spezialambulanz für Tics und das Tourette-Syndrom

Transkranielle Magnetstimulation bei Depression

Die repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist ein Verfahren, welches mithilfe starker Magnetfelder Bereiche des Gehirns stimuliert. Studien weisen auf eine gute Wirksamkeit der rTMS bei Depressionen im linken prefrontalen Bereich im Gehirn hin. Im Rahmen der klinischen Behandlung der Depression wird die Anwendung der rTMS in der hiesigen Klinik angeboten.

Zwangsstörungen

Die Zwangsstörung ist mit einer Lebenszeitprävalenz von etwa zwei bis drei Prozent eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Manual-basierte Psychotherapie, evtl. in Kombination mit medikamentöser Behandlung können bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen eine effektive Linderung der Beschwerden bewirken. Bei den verbleibenden Patienten, die als „therapieresistent“ definiert werden  bleibt meistens eine schwere Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch die Zwangssymptome dauerhaft bestehen.Seit 2002 beschäftigt sich die hiesige wissenschaftliche Arbeitsgruppe mit der Erforschung des therapeutischen Nutzens der  tiefen Hirnstimulation (THS) bei Patienten mit stark ausgeprägter therapieresistenter Zwangsstörung. Dabei liegen Erfahrungen zu fast 50 derartig behandelten Patienten vor.  In etwa 50% d.F. konnte durch die THS bei diesen schwer kranken Patienten eine deutliche Besserung der Symptomatik erzielt werden.Voraussetzung für den Einsatz der THS bei Patienten mit Zwangsstörung (wofür das Verfahren mittlerweile eine Zulassung hat) ist aber, dass zuvor sowohl verschiedene adäquate medikamentöse Behandlungen als auch eine störungsspezifische Psychotherapie keinen Erfolg erbracht haben, also eine „wirkliche“ Therapieresistenz für die etablierten behandlungsformen vorliegt. Eine diesbezügliche Evaluation ist im Rahmen der hiesigen Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen möglich, im Rahmen derer auch diagnostische Einstufungen und Beratungen hinsichtlich „konventioneller“ Therapieoptionen erfolgen.

Neben dem klinischen Schwerpunkt beschäftigt sich die hiesige Arbeitsgruppe intensiv mit der Charakterisierung pathophysiologischer Aspekte der Zwangsstörung, so z.B. im Rahmen der DFG-geförderten klinischen Forschergruppe 219: „Basalganglien-Kortex-Schleifen: Mechanismen pathologischer Interaktionen und ihrer therapeutischen Modulation“.

Spezialambulanz für Patienten mit Zwangserkrankungen

Projekte Arbeitsgruppe Neurobiologie und Neuromodulation psychischer Erkrankungen

  • Basalganglien-Kortex-Schleifen: Mechnismen pathologischer Interaktionen und Ihrer therapeutischen Modulation
    Klinische Forschergruppe 219, Sprecher: N.N., Teilprojektleiter Psychiatrie: Jens Kuhn, Jörg Daumann, Wolfgang Huff
     
  • Ethical, Legal and Social Aspects of Deep Brain Stimulation: Health, Quality of Life and Personal Identity (ELSA-DBS)
    BMBF-Verbundprojekt, Sprecher: Christiane Woopen, Teilprojektleiter Psychiatrie: Jens Kuhn
     
  • Auswirkung der Tiefenhirnstimulation in kortikostriatalen Schleifen auf Handlungsüberwachung und Entscheidungsprozesse bei Patienten mit Zwangsstörungen und Tourette-Syndrom
    BMBF-Verbundprojekt, Sprecher: Markus Ullsperger, Teilprojketleiter Psychiatrie: Wolfgang Huff, Jens Kuhn
     
  • Charakterisierung von Belohnungsprozessierung, Ruhemetabolismus, sozialen Kognitionen sowie Verhalten und Motivation während sozialer Vergleiche bei Patienten mit therapieresistenter Zwangsstörung und schwerer stoffgebundener Abhängigkeit und gesunden Kontrollprobanden
    Exzellenz Forum der Universität zu Köln, Sprecher: Jens Kuhn, Teilprojektleiter: Jan Crusius, Alexander Drzezga, Leonhard Schilbach, Canan Peisker
     
  • Neurophysiologische und neurokognitive Charakterisierung der Basalganglien-Kortex-Interaktionen beim Tourette-Syndrom und deren Modulierbarkeit durch Tiefe Hirnstimulation thalamischer Kernregionen – eine prospektive Längsschnittstudie
     
  • CANNA-TICS,Untersuchung der Wirksamkeit von Cannabis-basierten Medikamenten in der Behandlung von Tics
    Medizinische Hochschule Hannover, AG Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl

    Klinische Forschergruppe 219, Sprecher Gereon R. Fink
    Teilprojektleiter Psychiatrie: Jens Kuhn, Veerle Visser-Vandewalle

Kooperationen Arbeitsgruppe Tiefe Hirnstimulation

  • Forschungszentrum Jülich, Institut für Neurowissenschaften und Biophysik-3 Medizin
    (Arbeitsgruppe Prof. Dr. K. Amunts, Arbeitsgruppe Prof. Dr. Dr. P. Tass)
  • Institut für Anatomie I, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    (Direktor: Prof. Dr. J. K. Mai)
  • Institut für Geschichte und Ethik der Medizin,
    (Univ.-Prof. Dr. Christiane Woopen)
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie, Uniklinik Köln
    (Direktor: Prof. Dr. G. Fink)
  • Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin Uniklinik Köln (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Alexander Drzezga)
  • Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie, Uniklinik Köln
    (Direktorin: Prof. Dr. Veerle Visser-Vandewalle)
  • Max-Planck-Institut für Neurologische Stoffwechselforschung, Uniklinik Köln
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg , Fakultät für Wirtschaftswissenschaft , Arbeitsgruppe Cognitive Neuroscience  (Leiter: Dr. Gerhard Jocham)
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  Institut für Psychologie II, Abteilung für Neuropsychologie (Leiter: Prof. Markus Ullsperger)
  • Social Cognition Center Cologne, Arbeitsgruppe Mussweiler (Dr. Jan Crusius)
  • Department of Neurology University of Florida College of Medicine, International Tourette Deep Brain Stimulation Database and Registry (Leiter: Prof. Michael S. Okun)
  • Dr. Andreas Horn, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Medizinische Hochschule Hannover, AG Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl
Publikationen

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Das Team

Dr. Juan Carlos Baldermann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Assistenzarzt
E-Mail juan.baldermann@uk-koeln.de

Dr. Sina Kohl, M. Sc.-Psych., Stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe
E-Mail sina.kohl@uk-koeln.de

Canan Schüller, M. Sc. Psychologie
E-Mail canan.schueller@uk-koeln.de

Dr. rer. medic. Thomas Schüller, Dipl.-Psych.
E-Mail thomas.schueller@uk-koeln.de

Elena Sildatke, M. Sc. Neurowissenschaften
E-Mail elena.sildatke@uk-koeln.de

Myriam Vorderwülbecke, M. Sc. Psychologie
E-Mail myriam.vorderwuelbecke@uk-koeln.de

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